Lüdenscheider Nachrichten
Clou
Das farbige Magazin zum Wochenenden
12/13.Juli 1997
Fliegenfischer- Sie sind die Könige unter den Anglern und ihr Hobby ist für sie auch mehr als nur das Warten auf den grossen Fisch.
Herr der Fliegen
Rettet die Würmer"Auch bei selbstgebundenen Fliegen läuft den
Forellen
das Wasser im Maul zusammen
Horst Puzicha ist Fliegenfischer - genau wie Robert Redford. Und doch unterscheidet die beiden so viel. Der eine, Redford, drapiert sich,ganz Schauspieler und
Regisseur, mit smartem
Filmlächeln im Fluß: Schöne
Bilder müssen her.
Der andere, Puzicha, ist
Fliegenfischer aus Leidenschaft.
Mehr noch: "Das ist kein Hobby,
sondern eine Lebensart."
Einst hat er im Fluß Ruhe und Entspannung von einem aufreibenden Beruf gesucht. Wenn der Bestatter heute in die Wathose schlüpft, seinen grauen Filzhut aufstülpt und die kurze Weste anlegt,
dann läßt er alles zurück. Dann ist er gleichsam Naturbeobachter, Sportler und Lebenskünstler. Alles in einer Person.Fliegenfischer sind die ungekrönten
Majestäten unter
den Anglern. Ihre Sportart
gilt als die Königsdisziplin,
als fairer Wettstreit Mensch
gegen Fisch. Hier sollen
nicht die verurteilt werden ,
die beiMorgengrauen losziehen,
sich ein Plätzechen am
Ufer suchen und dann in
aller Seelenruhe einen Wurm nach dem anderen baden. Auch sie brauchen Geduld, auch sie müssen die Natur beobachten, um zu wissen, wo die Fische am besten beißen. Doch Fliegenfischer brauchen mehr. Allein die Technik: Wer beobachtet, mit welcher Eleganz Horst Puzicha oder seine beiden märkischen Freunde Wolfgang Herren und Udo Maruhn die Rute schwingen, wie die Fliege kaum wahrnehmbar in zehn bis zwölf Metern Entfernung auf das Wasser platscht, um dann - die natürlichen Bewegungen der Insekten nachahmend - per Hand Zentimeter für Zentimeter wieder zu den Fischern zurückgeholt zu werden - wer all das sieht, ahnt, wieso hier von Königsdisziplin die Rede ist.
Ketzerisch ausgedrückt: Maden aufspießen und ins Wasser baumeln lassen kann jeder,der sich nicht vor diesem Gewürm ekelt.
Die Technick des Fliegenfischens zu erlenen,zu wissen ,wie eine Forelle oder Asche in der Strömung aufsteigt,zu spüren,wann sich ein
Fisch nähert das erfordert hingegen monate-wenn nicht gar Jahrelange Übung. Nicht umsonst gibt es in Deutschland gerade einmal ca.
50.000 Fliegenfischer. Verglichen mit den vielen Stipangler ein witz.
Auch ich habe einmal richtig geangelt,so mit Wurm und Maden aun alem, was stinkt``, erzählt Horst Puzicha.;; Doch dann hab ich mir
gedacht :Rettet die Würmer,fischt mit der Fliege.``
Puzicha hat natürlich nicht nur einen Lebendköder gegen den anderen ausgetauscht. Was bei im vorne am Haken baumelt,sind natugetreue
Nachbildungen von Insekten und winzigen Fischchen. Kurzum: Er lockt mit all dem Getier, was jeder Forelle das Wasser im Maul
zusammenlaufen läßt. Dabei überläßt er nichts dem Zufall: Er bindet seine Fliegen selbst-Köcherfliegen im Köcher, geschlüpfte
Köcherfliegen, Eintagsfliegen, Nymphen und wie sie alle heißen. Zu Not,also wenn wirklich gar kein Fisch beißen will ,guck er im Uferbereich unter die Steine oder beobachtet die Insekten,die gerade schwärmen,packt seinen Bindestock aus und bastelt sich eine Fliege direkt vor Ort. Dann kann auch die clerste Forelle kaum noch widerstehen.
Die gesamte Freizeit dreht sich bei Horst Puzicha rund ums Fliegenfischen.Gemeinsam mit 4 Freunden hat erim Jahr 1994 den Fliegen -Binde-Kreis-Hagen
gegründet. Wenn die Herren nicht gerade im Gewässer stehen, dan sitzen sie zusammen und binden Fliegen. Wer so begeistert ist möchte sein Hobby natürlich auch weitergeben: Die Fünf Männer bieten also Kurse an-Fliegenfischen für anfänger``,Fliegenbinde und Wurflehrgänge. Und weil natürlich jeder Fliegenbinder seine Produckte ausprobieren möchte,hat der Kreis auch gleich ein Forellengewässerr angepachtet- ein Testgelände für Werfer und Binder sozusagen.
Der Hemeraner Wolfgang Herren ist auch begeisteter Fliegenfischer.Doch er bindet nicht selbst. Er verkauft Fliegen. In Hemer betreibt er sein Angelsportgeschäft.
Weit weniger als die Hälfte der Fliegenfischer binden ihre Fliegen selbst, betont er.
Wer weder Lust noch Zeit hat, diese manchmal weit weniger als einen Zentimeter großen Insekten aus den unterschiedlichsten Materialien zu kreiren, ist im Fachhandel bestens bedient. Und wer es doch lernen möchte? Kein Problem. Herren bietet die Binde und Wurfkurse des Quintetts aus Hagen und dem Märkischen Kreis an.
Die nächsten sind überigens für September geplant.
Für Horst Puzicha gehört die Bastelei zur Lebensart . Da kennt er kein Pardon. Wann immer er Zeit hat dreht und zwirbelt er Fäden,Federn oder Blötter um die Haken.
Wie er zu den Materielien kommt? Wir verwenden einfach alles. Wenn meine Frau einen Näfaden sucht ,dann kommt sie zu mir ins Zimmer.
Puzichas Leidenschaft kennt kaum eine Grenze. Manche Blätter eignen sich hervorragend zur Flügeldarstellung.
Er sammelt alle möglichen und unmöglichen Federn,die er auf der Straße findet. Wer weiß wofür es gut ist?.
Glänzende Augen bkommt er bei einer bstimten Hahnenfeder. Die schwimmt hervorragend.
Bestens geeignet für Trockenfliegen, für die Köder also ,die von den Anglern auf der Wasseroberfläche gehalten werden,
um Insekten zu imitieren. Hühnerfedern hingegen saugen sich schnell voll und tauchen ab. Auch prima , meintPuzicha. Das ideale
Material für Nassfliegen , die unter der Oberflache geführt werden und Minifische,aufsteigende Insekten oder ähnliche Leckereien imitieren sollen. Er sucht Materialien bindet und Angelt mit der Fliegenrute.
Nur eines mag Horst Puzicha nicht .Er ist keinen Fisch Wenn er in die treuen Fischaugen blieckt dann vergeht ihm jeder Appetit.
Zur Freude seiner Freunde und Schühler.Die können seinen Fang abens gleich mit in die Pfanne werfen.
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